Die Eifersucht und ihre Ursachen

Die Eifersucht und ihre Ursachen

„Eifersucht entsteht immer da, wo Vertrauen fehlt“

Ganz passenderweise beginne ich mit dem Schreiben dieses Beitrags in Sevilla, am 11. Mai 2018. Eine wunderbare Stadt, die unter anderem für eine der größten Eifersuchtsdramen und zeitgleich meiner nach wie vor liebsten Oper von Georges Bizet, namens „Carmen“, ihren Ursprung hat. Ob es wohl tatsächlich Zufälle gibt – bin erstmalig hier und liebe ‚Carmen‘ seit unzähligen Jahren.

Wie der Name schon zu erkennen gibt, ist die Eifersucht in irgendeiner Form mit der „eifrigen Suche“ nach jemandem gleichzusetzen. Ja, sie ist auch die Sucht danach, jemandem nachzueifern. Wenn ich es nicht ertragen kann, dass meine große Liebe sich einem anderen Mann zuwendet, dann bin ich eifersüchtig auf diesen ‚Mitbewerber‘. Kann sie gelinde gesagt kaum ausstehen, diese Emotion. Und obwohl ich so sehr daran gearbeitet habe, dieses Gefühl der Minderwertigkeit umwandeln zu können, ist es mir bis heute nicht 100%ig gelungen. Woran kann das liegen? Und warum ist es mir ein so großes Anliegen über dieses Thema zu schreiben?

Wie der Spruch weiter oben zu Recht impliziert, ist die Eifersucht auf einen Mangel an Vertrauen zurückzuführen. Bewusst wird mir das zunächst immer daran, dass ich der ‚Angehimmelten‘ nicht vertraue. Erst im zweiten Schritt gebe ich mir natürlich Rechenschaft darüber, dass es immer um ein Defizit an Vertrauen in mich selbst geht. Das Außen ist niemals die Ursache einer Emotion, sondern nur der ultimative und willkommene Anlass dafür, die Angst, die unter der Emotion Eifersucht liegt, umzuwandeln. Und ist es nicht unfassbar, dass die Eifersucht von einer Frau getriggert wird, für die ich eine besondere Liebe empfinde.

Seltsam, nicht? Warum ist das so? Ganz einfach, weil da, wo die Liebe am größten ist, ist es die Angst auch. Sind wir also überzeugt davon, dass „Lieben heißt die Angst verlieren“, gemäß dem Titel eines Buches von Erich Fromm, dann ist es leicht nachvollziehbar, warum das so ist. Sobald ich liebe, darf ich damit rechnen, mit meinen Ängsten konfrontiert zu werden. Wir sind hier um lieben zu lernen und das geht nur, indem wir unsere Ängste reduzieren. Diese müssen jedoch irgendwie zum Vorschein kommen, damit sie in Liebe transformiert werden können. Das schafft nur jemand, den wir besonders lieben. Weil, sobald wir zu lieben beginnen, schaltet sich mitunter das Ego ein und das hat ganz andere Interessen, wie z.B. ewig besitzen. Wir möchten also nun die Liebe sogleich in den Besitzstand emporheben. Damit sind wir auf dem Weg, dem Heraufbeschwören der Ängste Vorschub zu leisten. Welche Liebe lässt sich schon gerne besitzen, vereinnahmen, einsperren, etc.? Und schon tut diese Liebe etwas, auch ohne tatsächlich diese Absicht zu haben, das in mir die Emotion Eifersucht zum Vorschein bringt und damit in mir die unterschiedlichsten Ängste davor schürt, wie z.B. nicht gut genug zu sein, meine große Liebe zu verlieren, minderwertig zu sein, dass ein anderer besser ist als ich, wertlos zu sein, nicht zu vertrauen, etc.

„Die wirkliche Liebe beginnt, wo keine Gegenliebe mehr erwartet wird“ (Antoine de Saint-Exupéry)

Wäre ich tatsächlich in der Lage, auch in einer Partnerschaft bedingungslos zu lieben, so eine Liebe zu empfinden wie für meine beiden Kinder, dann würde ich keine Gegenliebe erwarten. Geht das denn überhaupt in einer Liebesbeziehung? Ja, schließlich schaffe ich es ja auch bei meinen Kindern. Die können mehr oder weniger tun, was immer sie wollen, sie können sich meiner Liebe immer gewiss sein.
Schaffe ich es jedoch nicht, von meiner ‚Angebetenen‘ keine Liebe zu erwarten, dann, ja spätestens dann, öffne ich der potentiellen Eifersucht Tür und Tor. Knüpfe ich also an eine Liebe eine Bedingung, also in diesem Fall die unabdingbare Gegenliebe, lande ich unwillkürlich auch im Vergleich. Also: „Erst wenn auch Du mir die Gegenliebe offenbarst, zeige ich Dir meine Liebe“. In etwa wie Zug um Zug – ist jedoch ganz klar eine Bedingung, die zum Liebesvergleich führt. Vergleichen tut nur das Ego, welches in der Liebe eigentlich nichts zu suchen haben dürfte. Es sollte sich auf andere Bereiche meines Lebens konzentrieren. Dort hat, kann und wird es mir nach wie vor wertvolle Dienste leisten. Und dafür gibt es ein genügend großes Potential. Wie halte ich dessen Einflussnahme jedoch aus Liebesaspekten heraus?

Auch das geht nicht. Liebe ist ohne Angst in einer partnerschaftlichen Beziehung quasi nicht möglich. Wir sind auf der Erde ständig im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Gefühlen von Liebe und Angst. Also, wenn das Ego eine Summe der angstgesteuerten Emotionen ist, und wir zudem bestrebt sind, permanent unser Liebesniveau zu erhöhen, dann dürfen wir dankbar dafür sein, wenn sich das Ego in unserer Liebesbeziehung bemerkbar macht. Es lädt uns förmlich dazu ein, der von der Liebenden getriggerten Emotion auf den Grund zu gehen sowie die respektive und darunter liegende Angst in Liebe zu verwandeln. Ist das wirklich der Weisheit letzter Schluss? Ja, und sogar noch viel mehr und tiefer.

Sind wir auf Dauer nicht in der Lage, die zeitweise richtig zügig gereizten Ängste unter der Eifersucht zu transformieren, ist eine Trennung meistens unausweichlich. Das liegt an keinem der beiden Beteiligten und eine Schuldsuche ist zwar die erste Reaktion, führt jedoch niemals zu einer Lösung für beide Seiten. Die Angst obsiegt. Die Liebe erliegt. Die Trennung vollzieht sich folgerichtig. Warum?
Bin ich, meine Partnerin oder beide nicht in der Lage, eine einmal getriggerte Emotion zu erkennen und unmittelbar danach bestrebt zu sein, diese über den Weg in die Angst in Liebe umzuwandeln, dann beginnt die Auseinandersetzung im Außen. Statt die Ursache der getriggerten Emotion in mir zu suchen, fange ich an, auf emotionaler oder mentaler Ebene nach Gründen zu suchen. Meistens immer im Außen – jeder beginnt den Spiegel des anderen zu polieren, statt seinen eigenen Film zu ändern, um tatsächlich ein anderes Bild auf der Leinwand des Lebens vorgezeigt zu bekommen. Auf Dauer ist dieses Spiel für keinen der beiden Liebenden zu ertragen, da sich der aufsummierte Energieverlust irgendwann nicht mehr gegenseitig ausgleichen lässt.

„Die Liebe muss jeden Augenblick gelebt und genossen werden, aber immer wenn wir versuchen, sie zu begreifen, verliert sie ihren Zauber“ (Zitat aus dem Buch ‚Die Spionin’ von Paulo Coelho)

Wie ich schon weiter oben angedeutet habe, verfügt die Eifersucht über eine Vielzahl ursächlicher Ängste. Sie ist somit ein Geschenk für Liebende, die neben der Liebe immer auch ihr eigenes Wachstum im Blickfeld haben. Bin ich also in der Lage, eine Angst, die sich durch die Eifersucht zeigt, unmittelbar zu transformieren, also die Ursache der Eifersucht nicht bei meiner Partnerin zu suchen, sondern im Gegenteil eher dankbar dafür zu sein, dass sie mir den entsprechenden ‚Knopf drückt‘, dann fühle ich mich nicht verletzt und kann sie somit mit meiner opferbelasteten Reaktion gleichfalls nicht verletzen. Das bekannte Täter-Opfer-Retter-Spiel wird gar nicht erst in Gang gesetzt. Der scheinbare und unausweichliche Automatismus wird ausgesetzt.

Zurück zu der Frage: Warum ist es gerade mir ein besonderes Anliegen, über dieses Thema zu schreiben?
Das liegt daran, dass mich diese Emotion am meisten in meinem Leben begleitet hat und immer noch zu begleiten scheint. Somehow ‚a never ending story‘ – irgendwie ‚eine unendliche Geschichte‘. Auf meinem Weg als akribischer ‚Ängsteumwandler‘, den ich spätestens mit dem 40. Lebensjahr eingeschlagen habe, konnte ich die vielfältigsten Quellen der Angst kennenlernen. Mal war es eine Angst, die ich aus einem früheren Leben mitgebracht habe, mal war es eine Eifersuchtssituation getriggert zu Beginn des derzeitigen Lebens im Zusammenspiel zwischen meinem Bruder sowie der jeweilig konkurrierenden Liebe zu unserer Mutter und schließlich dem Fall, indem ich diese Emotion ungewollt und unbewusst von meiner Mutter aus deren Erlebnissen in ihrer Kindheit übernommen habe. Unfassbar unterschiedliche Facetten, die sich beobachten lassen, im Spiel von der Angst zur Liebe.

Ganz ehrlich gesagt, fange ich jetzt erst an, zu akzeptieren, dass ich die Eifersucht und ihre Ursachen in diesem Leben möglicherweise gar nicht zur kompletten Umwandlung in Liebe vollziehen kann. Okay, akzeptiert, dann weiß ich, warum ich auf jeden Fall zumindest noch einmal wieder kommen darf, um dieses Thema ganz und gar in Liebe umzuwandeln und zu integrieren. Und diese Erkenntnis offenbart sich mir im Alter von 57 Jahren. Unglaublich, oder?! ‚Was hat er denn bisher dafür getan?‘, wirst Du Dich sicherlich fragen. Nun, sehr viel, aber wohl nach wie vor nicht genug.


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