Im Auge des Wirbelsturms – Egos Liebesdienst

Im Auge des Wirbelsturms – Egos Liebesdienst

„Das Ego ist ein Geist, der Angst hat zu sterben.“
(Mooji)
Mit dem Schreiben dieses Beitrags beginne ich an meinem absoluten Lieblingssee, dem Tegernsee am südlichen Rand Münchens. Hier habe ich innerhalb der letzten 17 Jahre mit die schönsten, aber durchaus auch einige traurige Momente meines Lebens erfahren dürfen.
Dies ist gleichzeitig der vierte Artikel, den ich auf Basis eines Dialogs mit Stefan verfasse. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, weil er mir mit seinen Fragen und Anregungen die Chance gibt, noch eingehender zu reflektieren und unter anderem über diese Zeilen auch Dir zuliebe zu reagieren.

Hey Volker,
hab Dir ja am Mittwoch erzählt, dass ich mich wegen meiner Führungstätigkeit oft gefragt habe, warum ich das eigentlich mache?
Nach der Arbeit mit Dir, stelle ich mir die Frage: Was ist es, was mich zurück hält? Das Ego? Oder Angst? Bei dem Gedanken, abzugeben, spüre ich Angst? Also, ist es das Ego.. oder? Ansonsten könnte ich die Angst doch in Liebe umwandeln und loslassen, oder? Denn wenn sich die Angst in Liebe wandelt, kann ich los lassen und bin freier😳

Antwort Volker:
Zunächst möchte ich Dir ganz herzlich für das Stellen dieser Fragen danken. Es erfüllt mich echt mit Freude, Dir auch auf diese Weise auf Deinem Weg weiterzuhelfen. Es ist nicht wirklich wichtig, wer oder was für etwas verantwortlich ist, wenn es darum geht, Themen in ihrer Tiefe und endgültig zu behandeln bzw. Angst in Liebe umzuwandeln. Das sind die einzigen Gefühle, die ich kenne. Daraus entstehen Emotionen – ‚positive‘, die aus der Liebe heraus resultieren, und ’negative‘, die aus der Angst heraus kommen. Gefühle und in gewisser Weise auch Emotionen lassen sich nicht in negativ oder positiv bewerten. So etwas erfolgt in der Regel nur aus dem Ego heraus. Bin ich jetzt im Ego?
An dieser Stelle ist es wichtig, die Begrifflichkeiten noch dezidierter im Détail zu klären. Hierzu bediene ich mich in der Regel Wikipedia. Darüber hinaus habe ich meine eigenen Definitionen, welche meistens aus der Intuition heraus kommen. Um eventuellen Anmaßungen vorzubeugen, bitte ich Dich, Dir eine eigene Meinung in die von Dir zu favorisierenden Bedeutungen der jeweiligen Begriffe zu bilden. Vor allem das ‚Ego‘ hat da so seine unterschiedlichen Begehrlichkeiten parat – entsprechend der wissenschaftlichen Quelle derer es sich bedient bzw. die es definiert.
Das Ego kommt nach meinem Dafürhalten dem Egoismus-Begriff nach Wikipedia am nächsten. Da Du und ich inzwischen im Einklang miteinander ganz klar die Emotion vom Gefühl abgrenzen und unterscheiden, konkretisiere ich unseren Ego-Begriff als die Summe der ’negativen‘ Emotionen, welche ausschließlich aus der Angst heraus resultiert. Einen Begriff für ‚positive‘ Emotionen, die lediglich aus der Liebe heraus kommen, habe ich bis dato nicht für nötig befunden, zu definieren. Die analogen Emotionen wie Lachen, Feiern, Freude, Mitgefühl, etc. bedürfen auch keiner weiteren Analyse, sind sie doch einfach nur lebenswerte Gefühlsbewegungen, die lediglich einem Zweck dienen: die Liebe als Gefühl in die Welt zu bringen.
Wenn Du Dich an die Momente in den beiden Umwandlungen erinnerst, in denen Du in einem Gefühl der Angst warst, wird Dir sicherlich klar und bewusst, dass in diesen Augenblicken keine Blockade möglich ist. Da kann Dich also nichts zurück halten. Genau so ist es, wenn Du in einem Liebesgefühl bist. In beiden Situationen ‚fließt‘ es einfach – auch wenn es sich dabei um Tränen handelt.
Dich in Deinem Entscheidungsprozess zurück halten, das tun somit nur die Emotionen oder Blockaden, die aus der Angst heraus entstehen. Du bist also auf der emotionalen Ebene sowohl während Deiner Führungstätigkeit, die Dir offensichtlich keine Freude bereitet, als auch während der Phasen, in denen Du ‚aussteigen möchtest‘. Somit ist für mich eindeutig der einzige Weg, um zu einer gesunden Entscheidung aus Deiner liebevollen Mitte heraus zu gelangen, die sukzessive Umwandlung der Ängste. Das, was dann für Dich bestimmt ist, wird sich dann von alleine ergeben – wie eine Rose, die ihre Blüten vor Dir entfaltet. Sind die relevanten Ängste umgewandelt, werden sich keine Blockaden mehr zeigen – die Liebe kann ganz übernehmen und die Entscheidungen entstehen im Zuge eines natürlichen ‚Flusses‘.
Mir ist die Tage bewusst geworden, weswegen und wie Umwandlungen wirken. Erst wenn Du durch eine gewisse ‚Angststrasse‘ gegangen bist, erreichst Du diejenige Angstschicht, die bereit ist, sich in Liebe umzuwandeln. Im Grunde ist es wie bei einem sehr starken Wirbelsturm – nur in dessen Auge, an dessen Wurzel oder Boden, gibt es keine Turbulenzen mehr. Auch bei einem starken Stromstrudel musst Du bis nach unten durchtauchen, damit Du heil wieder nach oben kannst.

In den Wirren des Sturms oder des Stromstrudels wirst Du einfach nur hin und her ‚gebeutelt‘. Genau so wirst Du die Emotionen empfinden, solltest Du Dich auf einer solchen Blockadeebene befinden.

„Der ist so tief verletzt, dass er niemals entscheiden würde, wieder zurück ins Licht zu gehen. Jemand von uns muss in seine Dunkelheit hinab steigen“.

(Sinngemäßes Zitat aus dem Film ‚Outlander‘, gesprochen vom ‚Beschützer’ und Taufpaten von Jamie Frazer, einem schottischen Clanführer im 18. Jahrhundert und zeitgleich ‚Seelenzwilling‘ von Claire Beacham, welche ihrerseits durch die Zeit reist und sich schließlich in Jamie verliebt. Jamie wird von seinem Erzfeind, dem englischen Hauptmann Jonathan Randall ‚gebrochen‘ bzw. sexuell missbraucht, nachdem letzterer ihm verspricht, das Leben von Claire zu verschonen, wenn sich Jamie ihm hingibt.)

Betrachte ich die Szene aus diesem Film, und das tat ich inzwischen zum 4. Mal innerhalb von 9 Monaten, überkommen mich immer wieder die tiefsten Gefühle, die mich mitunter zum hemmungslosen Weinen bewegen. Mögliche Ursachen hierfür sind die unfassbare Verbundenheit zwischen zwei Seelen, die bedingungslose Liebe zwischen zwei Individuen, die Schmerzbereitschaft aus purer Liebe für einen anderen Menschen, aber auch der offensichtliche Wunsch, den jeder der beiden Zwillingsseelenelemente hat, den jeweils anderen durch die unterschiedlichsten Aktionen in seinem Wachstum zu einem noch höheren Liebesniveau zu katapultieren.

 

Letzteres geschieht, indem Claire in einen offenen und direkten Konflikt mit Jamie tritt, um ihn aus seinem offensichtlichen Opferdasein herauszuholen. Sie nötigt ihn quasi dazu, sämtliche Détails seiner Demütigung durch den englischen Hauptmann zu offenbaren. Er schämte sich dessen, was ihm widerfahren war so sehr, dass er Claire nicht mehr in die Augen schauen konnte. Dadurch, dass sie auf seine Opfersituation keine Rücksicht nahm, sondern ihre Liebe für ihn viel größer war, brachte sie ihn dazu, das Erlebte in all‘ seinen Einzelheiten zu schildern. Sie steigt in gewissem Maße in seine Dunkelheit hinab, um ihn wieder ins Licht zu führen. Dadurch wuchs über das Mitgefühl die Liebe füreinander einfach noch mehr. Es bedurfte jedoch des Mutes von Claire selbst eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen den beiden in Kauf zu nehmen. Auch auf diese Weise half sie ihm, eine oder mehrere seiner Ängste in Liebe umzuwandeln. Indem sie die offensichtliche negative Emotion dazu nutzte, ihn in die darunter liegende Angst zu führen – in das Auge des Wirbelsturms. Dort fand er die Ruhe, die er brauchte, um das Erfahrene zu verarbeiten. Natürlich ging das nicht alles innerhalb dieses einen Momentes – aber es war eine elementar wichtige Anfangsangstschicht, die sich verabschiedete.

 

An dieser Stelle erlaube ich mir auch einen Hinweis auf das anfängliche Interesse des Egos, die Angst am Leben zu halten. Es führt sozusagen ein Eigenleben im jeweiligen System. Ein Verhaltensmuster, wie die emotionale Blockade in der sich Jamie befand, hat partout kein Interesse daran, sich selbst aufzulösen. Erst durch das vehemente Einschreiten von Claire beginnt das Ego sich seines Liebesdienstes zu ‚erinnern‘. Zudem ist es für Claire, als Jamies ‚Steigbügelhalter‘ von der Blockade über die Angst zur Liebe, unabdingbar, in dem Prozess nicht locker zu lassen, bis das ‚Auge des Wirbelsturms‘ in Jamies System erreicht ist.

 

Das genau entspricht auch meiner Aufgabe zu Beginn und während einer Umwandlung. Dich, lieber Stefan, so weit zu bringen, dass Du Dich meiner Führung von der negativen Emotion in die darunter liegende Angst hingibst. Es bedarf dann nur weniger Augenblicke, während derer das Ego aufgibt und der Liebe zuliebe seinen Platz räumt.

Bemerkung Stefan:

Ich hätte dann auch viel weniger mit meinem Vorgesetzen“Knöpfedrücker“ Stefan zu tun. Aber wäre das nicht eine Flucht in die falsche Richtung? 

Antwort Volker:
Genau, solange Dir Dein Chef Stefan immer noch ‚Knöpfe drücken‘ kann, käme eine ‚gewaltsame‘ Trennung ganz ohne Zweifel einer Flucht gleich. Du würdest Chancen zur Umwandlung von Ängsten vergeben. Sicherlich würdest Du bei Deiner nächsten beruflichen Station auf exakt den gleichen Typ Chef treffen. Also warum nicht erst die Themen mit ihm erlösen und dann gelöst weiter ziehen.

Was meine ich damit konkret?

Wenn Dein Chef es mal wieder schafft, Dich mit irgend einer unbedachten Äußerung zur ‚Weißglut‘ zu treiben, triggert er im Grunde wieder eines Deiner Dir bekannten Verhaltensmuster. Damit wird der Liebesdienst des Egos in Gang gesetzt. Wärst Du genau in diesem Moment in der Lage, zu realisieren, dass sich dieser Teil des Egos, also eines seiner vielen Blockaden, endlich verabschieden möchte, würdest Du unmittelbar versuchen, den Weg in die Angst, z.B. durch einen Anruf bei mir, zu suchen.
Deine emotionale Reaktion auf die vermutliche, aber unbewusst erzwungene Unzulänglichkeit Deines Chefs, ist bereits ein klarer Hinweis dafür, dass sich eine weitere Angstschicht, die unter der negativen Emotion liegt, in Liebe umwandeln möchte. Wären wir in der Lage, das jedes Mal so zu betrachten, kommen wir gar nicht erst auf den Gedanken, das Ego und dessen ‚Spiele’ abzulehnen – und schon gar nicht dessen Helfer, ‚Knöpfedrücker’ und Liebesdiener, Deinem Chef in diesem Fall.

Nein, wir würden die Aktion sogar zweifellos und immer als Liebesdienst des Egos bezeichnen.

Abschluss Stefan:

Jetzt bin ich verwirrt 🙄

LG Stefan

Abschluss Volker:

Bin ziemlich sicher, dass ich mit den Zeilen weiter oben zur ‚Entwirrung‘ beigetragen habe. Einen generellen Hinweis erlaube ich mir abschließend noch.
Wenn ich daran zurück denke, wie stark mein Ego noch am Anfang dieses Weges vor etwa 17 Jahren war, dann bin ich für die danach immer wieder noch bewusster zurück gelegte Reise einfach nur dankbar. Es erfüllt mich mit wahrer Freude, Menschen wie Dich in welcher Form auch immer zu begleiten. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: die Ergebnisse, die ich inzwischen täglich verspüre, die Liebe zum Leben und das Glück mich hier und heute entwickeln zu dürfen, sind auf jeden anderen Menschen sukzessive übertragbar. Und ich tue es von Herzen gerne – und zwar für jeden, der sich dafür entscheidet. Es bedarf jedoch der Entscheidung, nach innen zu gehen. Und auch diese Entscheidung zu treffen, erfordert Mut. Den wünsche ich Dir immer wieder auf’s Neue.
‚Liebesgrüße vom Tegernsee‘
(gleichnamiger deutscher Film aus den 50-er Jahren)
Volker

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